Fraktion im Landtag PRESSEDIENST Schleswig-Holstein Stellv. Pressesprecherin Anja Koch Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Durchwahl: 0431/988-1503 Zentrale: 0431/988-1500 Telefax: 0431/988-1501 Mobil: 0172/541 83 53 E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.gruene-landtag-sh.de Nr. 054.04 / 12.02.2004 Es gibt keine falschen Kinder Zu den Ausführungen von Klaus-Dieter Heyden, Vorsitzender des Philologenverbandes, über Schulstrukturen in Schleswig-Holstein erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN, Angelika Birk: Es gibt keine falschen Kinder, es gibt nur unzureichende Methoden mit den unterschiedlichen Fähigkeiten von Kindern umzugehen. Der Philologenverband geht immer davon aus, dass die falschen Kinder im Gymnasium sind und dass hierin die deutsche Bildungsmisere liegt. Unser Ziel ist eine Schule, in der alle Kinder vom ersten bis neunten Schuljahr gemeinsam lernen. Wir haben dazu vor einigen Monaten ein Konzept für Schleswig Holstein vorgelegt und darin belegt, dass auch bei knappen Kassen die Reform begonnen werden kann. Durch Umschichtung der Mittel und eine andere Pädagogik ist auch hierzulande zu leisten, was uns unsere skandinavischen Nachbarn vorleben. Der Änderungsdruck ist enorm, denn der deut- sche Sonderweg des dreigeteilten Schulwesens nach dem vierten Schuljahr hat sich nicht bewährt. Darauf weisen die Ergebnisse der drei internationalen Testverfahren PISA, TIMS und IGLU hin. Die Presseerklärung des Philologenverbandes geht von Unterstellungen aus und bleibt weit hinter dem Niveau der öffentlichen Debatte um die Schulreform zurück. Natürlich sind äußere und innere Schulreform miteinander verknüpft, dies haben wir GRÜNEN stets betont. Und wir haben uns schon immer für frühe und für mehr Sprachförderung eingesetzt, die schon vor der Einschulung beginnen sollte. Schleswig-Holstein hat hier ein bundesweit beachtetes er- folgreiches Konzept, für das tausende ErzieherInnen fortgebildet werden, um alle Kinder schon in den Kitas sprachlich zu fördern. Dies ist aber nicht genug. Deshalb beginnen gerade in diesem Jahr Modellversuche, um insbesondere MigrantInnenkinder frühzeitig zu fördern. Wir freuen uns, dass nicht nur McKinsey, sondern auch die Handwerkskammern Baden- Württemberg und Hamburg unserem Reformziel einer Schule für alle Kinder folgen. Alle Schulen müssen sich in ihren Ergebnissen messen lassen. Viele Länder haben uns vorge- macht, dass eine solche output-orientierte Steuerung bessere Ergebnisse bringt als detaillier- te bürokratische Gängelei von oben. LehrerInnen müssen jedes Kind individuell fördern und fordern und dabei den Klassenver- band auch bei heterogenen Lerngruppen erhalten. Die Fähigkeit dazu zu erwerben, ist einer der zentralen Aspekte der Reform der LehrerInnen Aus- und Fortbildung. Die neue Verpflichtung der weiterführenden Schulen, SchülerInnen ab Klassen sieben nicht mehr in andere Schulformen ,,nach unten" abzuschulen und die Einschränkung des Sit- zenbleibens, sehen wir positiv. Sie ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, gemeinsames Lernen bei individueller Förderung zu ermöglichen. ***